Nikolaus der Friedensstifter und das Konzil von Nicäa

Ein altes Bild des Heiligen Nikolaus passt nicht so richtig zu den Vorstellungen des wohl bekanntesten Volksheiligen. Es zeigt, wie Bischof Nikolaus seinem Gegenspieler Arius beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 eine Ohrfeige verpasst haben soll. Ob der beliebte Bischof aus Myra, der noch vom Volk gewählt worden ist, tatsächlich an diesem ersten ökumenischen Konzil der Kirche teilgenommen hat, ist historisch-kritisch nicht zu verifizieren. Auf der entsprechenden Teilnehmerliste von rund 300 Personen kommt sein Name jedenfalls nicht vor. Das Konzil selbst freilich bietet einige bleibend gültige Markierungen für die Geschichte und das Denken der Kirche.

Erstens ist gelungen, wenngleich etwas unter kaiserlichem Diktat, auf synodalem Weg eine Einheit zu erreichen – durch Gespräche, durch Argumente – und nicht durch Gewalt oder Befehl-Gehorsams-Strukturen. Die „Weltsynode“ des 4. Jahrhunderts steht für den Dialog. Zweitens hat sich das Konzil entgegen der monophysitischen arianischen Lehre in einer synodalen Weise auf die trinitarische Wesensnatur des Göttlichen festgelegt. Göttliches darf nicht getrennt vom Irdischen gesehen werden. In der Person Jesu Christi wird die Einheit Gott-Mensch begreifbar. Daher denke ich mir wohl lieber, dass Bischof Nikolaus jener Mann war, der mit Geisteskraft jenes Denken abwehrte, das Gott* und Welt voneinander trennte, und begriff, dass Göttliches und Menschlich-Irdisches eine Einheit bilden können und sollen. In seinem Tun lebte Nikolaus vor, wie dies geschieht: durch konkretes Handeln in den Notlagen der Menschen.

Ein anderes Bild passt für mich besser zur Logik des jesuanischen Gewaltverzichts, auf die sich Bischof Nikolaus wohl eingelassen hat. Das Bild zeigt den Bischof in einem extrem gewalttätigen Setting. Umgeben von einer Vielzahl an Soldaten reißt Bischof Nikolaus dem Henker das Schwert aus der Hand, mit dem er drei römische Feldherren hinrichten hätte sollen. Die Schwerter sollen schweigen, so lautet heute der Ruf von Nikolaus, und er wird zum Ruf nach einer Feuerpause und nach Waffenstillstand in allen Kriegsgebieten dieser Welt, ein Ruf zur Abrüstung und eine Einladung zur friedlichen Konfliktlösung. Heute wird nicht mehr durch ein Schwert getötet, sondern mit Drohnen, mit denen Bomben über Gegner abgeworfen werden, mit weitreichenden Lenkwaffen, die im Namen der Selbstverteidigung Tod und Zerstörung bringen.

Das Bild des Nikolaus beim Konzil von Nicäa zeigt zeigt ihn mit offenen Händen. Eine geballte Faust würde nicht zum Nikolaus passen. Seine hellwachen Augen blicken seinen Gegenspieler Arius an. Nikolaus will verstehen, will argumentieren, lädt zum Dialog ein – und wohl auch zur versöhnenden Umarmung.

Klaus Heidegger, 6.12.2024

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